Was macht der Pathologe?

Gewebe wird Patienten vor allem bei Hautärzten, bei Internisten im Rahmen einer Magen – oder Darmspiegelung (Endoskop), Gynäkologen, HNO-Ärzten, Allgemeinmedizinern oder Urologen entnommen.

Jedes Gewebe, das einem Patienten entnommen wird, muss einer histologischen Untersuchung durch einen Pathologen unterzogen werden. Dieser analysiert unter dem Mikroskop das speziell gefärbte, in dünnen Schnitten aufbereitete Gewebe, charakterisiert die pathologischen Veränderungen der Zellen und Zellverbände und ordnet sie einer Krankheit zu.

Ärzte nehmen von Patienten Gewebe, das mit dem freien Auge oder durch das Endoskop pathologisch, also verändert gegenüber dem Normalzustand, erscheint. Dazu zählen zum Beispiel abnorm gefärbte Muttermale oder Geschwülste Im Darm, die meist zufällig bei einer Darmspiegelung entdeckt werden, Zysten im Kiefer oder Gewebeproben, die aus einer vergrößerten und verhärteten Prostata entnommen werden.

Das Gewebe wird unmittelbar nach Entnahme in einer Formalinlösung fixiert und so an das Institut transportiert. Dies gewährleistet eine Erhaltung der Strukturen von Zellen und Zellverbänden und ist eine Grundvoraussetzung für eine qualitätsvolle Diagnostik.

In weiteren Schritten werden die eingelangten Gewebsstücke dokumentiert, katalogisiert und auch zunächst mit dem freien Auge beschrieben. Man nennt dies makroskopische Beschreibung. Danach erfährt das Gewebe eine mehrstündige Behandlung mit Chemikalien und Lösungsmittel, sodass es in Paraffin, eine wachsartige Substanz, eingegossen werden kann. In diesem Zustand lässt es sich in hauchdünne Scheiben schneiden, die auf einen Objektträger aufgezogen werden. Dann wird das Gewebe gefärbt, sodass im Mikroskop Bestandteile von Zellen und Gewebeverbänden analysiert werden können. Aus der Zusammensetzung, Form und Beziehung der Zellen zueinander kann der Pathologe eine Diagnose stellen. Fachärzte für Pathologie haben nach dem Studium wie andere Fachärzte eine mindestens sechsjährige Ausbildung und meist noch zusätzliche mehrjährige Ausbildungen in Zytodiagnostik und Humangenetik.

Meist soll die Frage beantwortet werden, ob eine Bösartigkeit vorliegt, also eine pathologische Veränderung, die in Form von Metastasen (Tochtergeschwülsten) streuen könnte.

Die von Pathologen gestellte Diagnose bildet in vielen Fällen eine entscheidende Basis für die weiteren therapeutischen Maßnahmen und soll nach Möglichkeit auch eine Aussage über Ursache und Prognose enthalten.

So wird bei Tumoren neben der Typisierung auch eine Graduierung vorgenommen, aus der unter Berücksichtigung anderer klinischen Aspekte, vom behandelnden Arzt eine Prognose abgeleitet werden kann. Daraus ergibt sich dann die für den Patienten ideale Behandlungsstrategie.

Ein anderes Beispiel sind entzündliche Erkrankungen, bei denen der Pathologe auch die Ursache definiert, z.B. ob im Magen eine Helicobacter Infektion vorliegt. Dies ist eine unangenehme, chronisch verlaufende Erkrankung, kann aber heute sehr gut mit kurzfristiger Medikamentengabe behandelt werden.
Die vom Pathologen erstellte Diagnose wird nicht den Patienten direkt übermittelt sondern den behandelten Ärzten, die das Gewebe entnommen haben. Diese teilen dann das Ergebnis dem Patienten mit und können auch gleichzeitig weitere therapeutische Maßnahmen vorschlagen.

Die moderne Pathologie versteht sich als Bindeglied zwischen verschiedenen Fachdisziplinen und konzentriert seine Arbeit auf die klinische Medizin. Auch weitere Techniken wie Immunhistochemie und Genetik sind bereits zu einem integralen Bestandteil des Faches geworden.